Ein Gespräch über Gott, Spiritualität, Heilung und die Endzeit
(Dieses Gespräch zwischen Lea und mir fand am 22. Januar 2026 im Rahmen von Leas Podcast statt. Zwecks besserer Lesbarkeit und Verständlichkeit wurde der Text an ein paar Stellen editiert und ergänzt.)
Lea: Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen zu dieser Folge des Morgenlicht-Podcasts. Heute bin ich mal nicht alleine, sondern ich habe meinen Mann, den Matthias, mit eingeladen, und wir wollen zusammen ein bisschen über die Zeitqualität sprechen, über Heilung, Schöpfung und auch über den Weg, den wir im Moment als Menschen gehen. Hallo Matthias.
Matthias: Hallo.
L: Und wir sprechen ja tatsächlich im Alltag ganz oft über diese Dinge. Wir sprechen auch oft, bevor ich meinen Podcast aufnehme, und normalerweise berätst du mich immer hinter der Kamera. Jetzt bist du mal vor der Kamera.
M: Genau.
L: Und ich wollte dich ganz gerne als erstes mal fragen: Ich spreche ja oft über Heilung, Traumheilung – überhaupt über alle diese Heil- und Entwicklungsschritte, die wir als Menschen in dieser Zeit durchlaufen. Wie würdest du es denn aus deiner Perspektive beschreiben, wenn ich dich jetzt frage: Was bedeutet Heilung für dich, jetzt in dieser Zeit? Was passiert denn da eigentlich in uns Menschen? Kurze Frage zu Beginn … [Gelächter]
M: Hm. Grundlegend würde ich sagen, dass Heilung einfach bedeutet: wieder vollständig werden. Alles, was nicht vollständig ist, ist in gewissem Sinne fragmentiert. Es gibt viele Gründe dafür, warum wir als Menschen bereits seit langer Zeit in einem Zustand leben, wo wir nur sehr wenig von dem, was wir eigentlich in uns tragen – auch an Potenzial, Kreativität usw. – einbringen können. Unter anderem deshalb, weil eben ziemlich viel in uns fragmentiert ist. Da gibt es erstmal diese grundlegende Entwicklung, über viele Jahrtausende hinweg, dass die Seele sozusagen immer mehr abgesunken ist, in diese materielle Welt, in diese physische Dichte, und sich in dem Zug auch immer mehr „verloren“ hat, Stück für Stück. Und dann gibt es natürlich auch für jeden einzelnen uns, individuell gesehen, viele Dinge, gerade in der heutigen Zeit, die aufgrund von schmerzhaften Erfahrungen entstanden sind, von frühen Verletzungen. Unter anderem auch deshalb, weil Menschen in der modernen Zeit immer mehr ohne diese tiefe Verbindung aufwachsen, ohne diese tiefe liebevolle Ordnung, so wie es vielleicht früher noch mehr der Fall war, eingebunden in den Schutz von Vater und Mutter, der Familie, des größeren Umfelds und so weiter. Das sind dann alles Dinge, wo wir auch auf individueller Ebene sehr viel Fragmentierung erlebt haben. Besonders auch seit der Endphase der sogenannten „Moderne“, etwa seit dem 20. Jahrhundert. Wo dann beispielsweise Babys nur noch im Krankenhaus geboren werden, oft unter „kalten“ Umständen, in einem eher „technischen“ Kontext. Natürlich war das auch gut gemeint, man wollte helfen, und die Medizin sollte das alles unterstützen. Aber auf der anderen Seite hat es dazu geführt, dass die Verbindung zur Natur, zu dieser natürlichen Ebene, noch mehr verloren ging. Also, um das Bild abzurunden: Es gibt unterschiedliche Ebenen, wo wir unter innerer Fragmentierung leiden oder wo wir uns nicht vollständig entwickeln konnten. Und Heilung ist nun die Einladung, wieder vollständig zu werden. Ich habe das Gefühl, dass genau das auch der momentanen Zeitqualität entspricht. Spätestens seit … ja, seit der Jahrtausendwende hat es langsam angefangen, dass es allmählich bei manchen wieder in eine andere Richtung geht, wo man nicht nur das Gefühl hat, dass alles einfach nur immer schlimmer wird, dass es immer mehr in diese Fragmentierung hineinrutscht, in diese Abgetrenntheit, sondern dass auf gewissen Ebenen auch wieder eine Einladung da ist, wie eine Ahnung: Ah, da kommt jetzt was. Wir können uns dafür öffnen, dass wir uns wieder in die andere Richtung entwickeln. Hin zu mehr Vollständigkeit. Und dass wir nach und nach auch wieder all die Qualitäten einbringen können, die wir als Seele auf die Erde mitgebracht haben. Ich habe das Gefühl, dass das nun etwas Neues ist. Und ja, es ist ein längerer Prozess, und wir sind gerade mittendrin und arbeiten uns Stück für Stück weiter.
L: Aha. Was ich jetzt gehört habe, ist: Heilung bedeutet vor allem, dass Dinge, die die eigentlich zusammengehören, die auseinandergebrochen sind oder den Kontakt zueinander verloren haben, dass die wieder zusammenkommen, dass es wieder ganz wird, dass es wieder vollständig wird.
M: Genau.
L: Und ich glaube, dass viele Menschen die Sehnsucht haben, oder vielleicht sogar als Kind schon hatten, nach dieser Ganzheitlichkeit nach dieser Wiederverbindung. Ich denke, viele Menschen, die meinen Podcast hören, kennen das, dass man schon als Kind irgendwie das Gefühl hatte: Ich bin in einer Welt, die sehr oberflächlich oder unvollständig ist und bei der ich das Gefühl habe, da fehlt irgendetwas. Irgendetwas fehlt. Mir ging es jedenfalls so, als Kind, dass ich immer wieder gedacht habe: Das ist alles wie so eine Art glitzernde Oberfläche, wie eine Art Kruste oder eine Art Kulisse – aber niemand stellt die eigentlichen Fragen: Warum sind wir überhaupt hier? Was ist der tiefere Sinn unseres Daseins? Und im Alltag wurde nicht darüber gesprochen. Zumindest in meiner Umgebung war das so. Wahrscheinlich hat man früher mal gedacht, na ja, das die Aufgabe der Kirche, diese Fragen zu beantworten. Aber in der Zeit, in der ich aufgewachsen bin, war der Kontakt zur Kirche ja auch nicht mehr da. Davon hat man sich dann auch abgekoppelt. Letztendlich war dann also gar nichts mehr da. Wirklich nichts mehr, weder eine alte Vorstellung, die man geerbt hat und in die man reingewachsen ist, noch etwas, das man selbst wahrgenommen hat. Nichts mehr, nur das Materialistische – wie „Einkaufen“, „Arbeiten“, und das war’s dann eigentlich schon. Nur diese äußeren Dinge. Kannst du dich noch dran erinnern, wann du zum ersten Mal den Wunsch nach Heilung verspürt hast, oder wie das in deinem Leben angefangen hat? War das immer schon da, oder gab es da ein bestimmtes Ereignis, wo das dann …
M: Ja, das hat eigentlich schon ziemlich früh angefangen, sagen wir mal so mit, hm – 17, 18, würde ich sagen. Ich bin ja auch noch ein bisschen älter als du. Ich bin in den 70ern und 80ern groß geworden, und da war tatsächlich alles noch viel mehr „zugebacken“ …
L: (schmunzelt) Ja, du hattest noch mehr „Kruste“ als ich.
M: Ja, genau. Ich habe mir als Kind da gar nicht so viele Gedanken gemacht. Ich war einfach nur ziemlich … man sieht das auf alten Fotos von mir: Ich war wie abgeklärt, so nach dem Motto, hier gibt’s sowieso nichts, alle sind ein bisschen … Aber ich habe nicht direkt dagegen angekämpft. Ich habe nur versucht, meine eigenen Dinge zu finden die mich interessieren, wie z.B. Bücher. Ich habe viel gelesen, Fantasy, Märchen und was weiß ich noch alles.
L: Ich habe immer weiter gehofft.
M: Ich habe dann immer wieder gemerkt: Kreativität ist ein Zugang für mich, dass ich zumindest ein bisschen was wahrnehmen kann. Ich habe eine Zeitlang auch Musik gemacht … und dann kam die Zeit, wo bei uns plötzlich solche Dinge wie Drogen aufkamen. Ich habe jetzt nie was Stärkeres genommen, das war bei uns auch überhaupt noch nicht so populär, das gab’s noch gar nicht so. Ich habe was „geraucht“, hier und da. Und es ist tatsächlich so, dass selbst das nicht zu unterschätzen ist. Das darf man nicht leichtfertig machen. Denn wenn man in seinem Inneren bereits Schichten hat, die durch traumatische Erfahrungen entstanden sind … die sind dann erstmal gut geschützt, wie durch so eine Art inneres Schutzsystem. Aber so etwas wie Haschisch kann diese Ebenen aufbrechen. Manche wollen das, damit sie mehr wahrnehmen können, aber es kann natürlich auch ins Gegenteil umschlagen. Und bei mir war es dann so, nach zwei, drei Jahren, als ich das immer mal wieder so zwischendurch gemacht habe, mit Freunden und so, dass ich dann irgendwann wie aus heiterem Himmel starke Panikattacken bekommen habe. Da habe ich dann zum ersten Mal gemerkt: Irgendwas ist da nicht in Ordnung. Ich konnte es nicht einordnen, ich wusste nicht genau was da überhaupt los war. Ich habe aber auch das Gefühl, muss ich sagen, dass ich immer gut geführt wurde, von Gott, auch wenn ich in der Zeit gar nicht bewusst an Gott geglaubt habe. Dafür bin ich im Nachhinein immer sehr dankbar. Es war nämlich so: Ich war damals ein großer „Beatles“-Fan, und innerhalb der Beatles dann „John Lennon“-Fan. Und John Lennon hat später etwas gemacht, nachdem er aus den Beatles rausgegangen ist: die sogenannte „Urschrei-Therapie“, Primärtherapie. Das war damals die erste Art von Therapie in diesem Sinne, das war alles noch ziemlich roh und „rough“ … aber es war das erste Mal, wo Leute verstanden haben: Da gibt es diese traumatischen Ebenen in uns, und wir müssen diese sozusagen wieder durchleben und in gewissem Sinne wieder erfahrbar machen, damit es sich lösen kann, damit alles wieder ins Gleichgewicht kommen kann. Und da ich „John Lennon“-Fan war und das alles aus seiner Biografie wusste, habe ich dieses Buch (über die Primärtherapie), das dort erwähnt wurde, dann schließlich auch selbst gelesen. Das habe ich dann nämlich später irgendwann zufällig gefunden, an der Uni, als als ich schon studiert habe, bei diesen „Gebrauchte-Bücher“-Ständen. Und es hat mich sofort vollkommen …
L: Von wem war das Buch?
M: Arthur Janov. Das war sein erstes Buch, welches auch John Lennon selbst gelesen hatte, und weswegen er das dann auch gemacht hat, diese Therapie.
L: Ist das dieses „Primal …“?
M: „The Primal Scream“ heißt es. Auf Deutsch: „Der Urschrei“, aber das ist ein bisschen blöd … [Gelächter] Denn darum geht es eigentlich gar nicht. Ja, und da ist mir dann plötzlich alles klar geworden. Da habe ich gemerkt, aha, es gibt diese Ebenen in mir, und ich muss … ich muss mich dem stellen, ich muss das irgendwie heilen. Und ich kann es nur dann heilen, indem ich es annehme und nach und nach integriere. Und das war eigentlich der Anfang. Und mir war auch klar: Ich muss das irgendwann mal selbst machen, diese Therapie. Was ich dann letztendlich auch getan habe, ein paar Jahre später.
L: Genau. Und und da bist du dann tatsächlich auch nach Los Angeles gezogen.
M: Genau, denn ich wollte es nur da machen, wo auch wirklich derjenige ist, der das selbst entwickelt hat.
L: Hat er noch gelebt?
M: Er hat noch gelebt, und er hat das auch noch geleitet, aber quasi mehr so im Hintergrund. Er hat dieses Institut dort geleitet, und er war manchmal auch selbst da, hat Vorträge gehalten und so weiter. Und alle, die dort Therapeuten waren, sind direkt von ihm ausgebildet worden.
L: Und das war in Santa Monica?
M: Das war in Venice.
L: Venice. Und es war … wie kann man sich das vorstellen? Kam man da dann rein, und da waren so Gruppen? War das so ein „Gruppen-Setting“, wo man dann so in der Gruppe war, oder war das eher Einzelarbeit?
M: Beides. Es gab Einzelarbeit mit einzelnen Therapeuten – jeder hatte einen persönlichen Vertrauenstherapeuten, mit dem hatte man einmal pro Woche oder auch alle zwei Wochen Einzelsitzungen. Und dann gab es mindestens einmal pro Woche eine Gruppensitzung, wo man dann selbst im Grunde immer geschaut hat: Was hat mich jetzt „getriggert“, in meinem Alltagsleben? Das hat man dann da mit reingebracht und vor der Gruppe mitgeteilt. Und die Gruppe hat einem dann, indem sie einfach mit Mitgefühl zugehört hat, dabei geholfen, das Gefühl wahrzunehmen – und auch das, was eigentlich dahinter steckt – und dann in dieses Gefühl einzutauchen. Und es dann auch zum Ausdruck zu bringen, direkt auszudrücken. Und wenn man dann schließlich Zugang bekommen hat zu diesem grundlegenden Gefühl – z.B. entweder „ich habe Angst“ oder „ich fühle mich alleine“ – dann hat man sich ein bisschen zurückgezogen, und es kam dann jemand und hat einem geholfen, weiter das Gefühl wahrzunehmen und zu fühlen. Und so ging das dann weiter.
L: Interessant. Das war so deine erste Begegnung mit Heilung.
M: Genau.
L: Du hast dann im Grunde lustigerweise gleich mit der Körperebene angefangen. Das habe ich erst als letztes entdeckt. Du hast dich gleich mit diesen tiefsten Angst- und Traumafeldern … damit hast du angefangen.
M: Ja, im Grunde. Weil ich gemerkt habe: Das muss ich machen, da muss ich hin.
L: Okay. Ja, interessant. Während du erzählt hast, habe ich überlegt, ob es für mich auch so einen Moment gab, in dem ich das Gefühl hatte, ich muss heilen … Ob da auch so eine Art Druck in mir war, oder ein Impuls, ich muss mich jetzt irgendwie auf den Weg machen. Und wenn ich zurückdenke, dann glaube ich, ich war zwar eigentlich immer ziemlich verzweifelt, aber immer auch sehr stark auf der Suche. Inmitten all der schlimmen Sachen, die ich erlebt habe, war immer so eine Art Suche da, in mir, ein „Nach-vorne-gehen“, Suchen … es muss doch irgendwo etwas geben, eine Hoffnung oder Ahnung … Aber im Lauf der Jahre entstand auch immer mehr so eine Art Verhärtung und Verbitterung, denn ich habe nichts gefunden. Zumindest in der Kindheit, von außen her, war nichts da, außer immer nur noch schrecklichere Enttäuschungen und schlimmere Umstände. Und ich glaube, dann, als ich studiert habe in Frankfurt, da gab es so eine Phase, da habe ich eine eigentlich relativ kleine Enttäuschung im Außen erlebt, und das hat dann meinen, wie ich glaube, „Urschmerz“ oder Grundschmerz irgendwie getriggert. Und dann habe ich gemerkt, boah, das ist ja Wahnsinn, ich könnte jetzt weinen und nie wieder aufhören. Da ist so ein tiefer Schmerz in mit, und so tiefe Trauer. Und dann bin ich an die Nordsee gefahren, mit dem Zug. Für ein Wochenende war ich in einer Jugendherberge und dachte, ich gehe am Meer spazieren und ich weine das alles raus. Aber ich bin dann wirklich ungelogen die ganze Zeit nur meinem Zimmer gewesen und habe geweint, geweint, geweint. Ich bin nicht mal an den Strand. Und ich habe gemerkt es wird nicht besser, es wird nicht weniger … Es war nicht diese normale Wahrnehmung, dass man traurig ist, weint und dann ist es auch wieder gut, die Gefühle fließen durch. Sondern ich hatte den Eindruck, irgendwas in mir ist wie ein „Quadrat“, und es bewegt sich nicht. Und da ist dann auch ein Fragezeichen in mir aufgetaucht. Das war das erste Mal, wo ich dachte, vielleicht ist in mir irgendwas Größeres kaputt, und mit dem herkömmlichen „Einfach-nur-abwarten-und-Tee trinken“, ein bisschen weinen, ein bisschen traurig sein, ist es nicht getan. Und dann habe ich wirklich angefangen zu suchen. Ob das dann „Atemmeditation“ war, oder für mich auch erstmal diese ganze „seelische“ Ebene … Ich bin glaube ich eher von oben her gekommen, nicht direkt zum Körper. Es ging mehr darum, erstmal seelisch herauszufinden: Da ist etwas, da ist etwas Liebevolles. Und da habe ich mich dann irgendwie eingehakt, und alles weitere ist dann nach und nach entstanden.
M: Ja, und das ist ja auch sehr gut. Denn das, was z.B. bei der Primärtherapie gefehlt hat, war gerade dieses „spirituelle“ Element. Sie waren dort tatsächlich eher so geprägt, dass sie gesagt haben, „das ist alles nur psychologisch“. Und sie haben natürlich irgendwo verstanden, ja, da gibt es gewisse Vorgänge, und sie haben dann versucht, diese zu erklären. Aber sie haben nicht daran geglaubt, dass es eine „höhere Ebene“ gibt, wie die Seele oder Gott. Sie haben vielmehr gesagt, das sind alles nur „neurotische Vorstellungen“ …[Gelächter] Und deswegen habe dann auch irgendwann gemerkt: Da fehlt irgendetwas. Nach zwei Jahren war mir klar, es muss jetzt irgendwie weitergehen. Es war dort aber trotzdem alles sehr wertvoll für mich gewesen, überhaupt in Kontakt zu kommen mit dieser tieferen Ebene. Denn, wie gesagt: Ich bin ja 10 Jahre älter. In der Zeit, in der ich aufgewachsen bin, war das alles noch viel mehr verpackt. Es war unheimlich hilfreich für mich, da überhaupt erstmal Zugang zu bekommen.
L: Ja. Und für mich war es auch hilfreich, dass ich dich getroffen habe und du die ganzen Sachen schon wusstest.
M: (schmunzelt) Mich kann wenig erschüttern …
L: Genau. Meine ersten Wutanfälle und Ausraster-Momente, und da bist du immer so ganz ruhig geblieben …
M: Das gab es jede Woche in der Gruppensitzung … [Gelächter]
L: Genau. Und das war irgendwie schön, jemanden zu finden, der so wetterfest ist, auf einer gewissen Ebene. Und ich glaube, als wir uns kennengelernt haben, hat das in uns beiden das auch so ein Gefühl von Sicherheit ausgelöst, bei mir zumindest. Ich habe jemanden gefunden, der auch auf diesem Weg ist, in Richtung Heilung, der auch auf der Suche ist, und der da auch ganz konsequent seinen Weg geht – und der wach ist. Denn ich hatte auch das Gefühl, du bist wach, du bist nicht so wie andere Menschen, wo ich immer das Gefühl hatte, da kann man nur Small-Talk machen. Und das hat mir dann Sicherheit gegeben. Das hat dann allerdings erst recht die ganze Soße hochbrodeln lassen. All diese traumatischen Sachen sind dann erst recht ans Licht gekommen, weil ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, hier bin ich sicher, wir sind zu zweit, wir nehmen das beide gemeinsam wahr. Denn vorher, wenn man alleine ist und sich vielleicht auch unsicher fühlt, dann hält der Körper das ganze traumatische Material oft auch einfach innen und schützt sich. Und wenn man sich dann sicher fühlt, dann blubbert alles hoch. Und das war bei mir genau so.
M: Ja, genau. Und diese Sache, die ich da gemacht habe (die Primärtherapie) – das war ja wirklich nur der allererste Anfang, um überhaupt erstmal einen gewissen Zugang zu bahnen. Und dann, wie gesagt, habe ich gemerkt, dass das Spirituelle fehlt. Deswegen habe ich dann in der Richtung weitergesucht. Ich bin dann erstmal in Richtung „Makrobiotik“ gegangen … und dann habe ich tatsächlich auch schon auf einer ganz frühen Ebene zu Jesus gefunden, zu Christus. Im Grunde auf so einer ganz einfachen, typisch amerikanisch evangelikalen Ebene – was aber auch sehr besonders für mich war, diese Begegnung. Das hat mich auch nie wieder verlassen.
L: Wann war das, oder wie war das genau? In der Kirche, oder …?
M: Nein, das war bei mir zu Hause, wo ich damals gewohnt habe. Ich hatte mich bereits seit einiger Zeit „makrobiotisch“ ernährt, bis ich dann bemerkt habe: Das ist auch nur wieder so ein beschränktes System. Ich habe dadurch zwar auch wieder Zugang bekommen zu den spirituellen Ebenen, ich habe viel wahrgenommen, diese tiefere Einheit von allem …
L: Das ist eine Ernährungslehre …?
M: Ja, das ist eine Ernährungslehre, aber sehr stark verbunden mit einer spirituellen Lehre, von „Yin“ und „Yang“, „Balance“, und auch vom „Absoluten“, also Gott, in gewissem Sinne, aber eher auf eine neutrale Weise …
L: Eher so wie der „Kosmos“ …
M: Genau. So etwas in der Art. Und da habe ich aber irgendwann gemerkt, dass auch das einschränkend ist. Und dann wusste ich einfach nicht mehr weiter. Dann habe ich mich einfach hingesetzt und innerlich gefragt: Wie geht es jetzt weiter? Was kann es jetzt noch geben? Ich war in einer Art Sackgasse. Und dann habe ich tatsächlich auch gebetet, ich habe Gott gebeten … das war zwar zu der Zeit für mich noch nicht bewusst „Gott“, aber ich habe innerlich darum gebeten, dass mir gezeigt wird, wie es weitergeht, was ich machen soll, an was ich mich orientieren kann.
L: Aha.
M: Und dann war ich eines Nachmittags mal alleine zu Hause und habe im Wohnzimmer gesessen, auf dem Boden, und diese Frage gestellt, mit ein paar Büchern um mich rum … [Gelächter] Und dann habe ich plötzlich wie vor dem inneren Auge, aber ganz deutlich, zwei Personen gesehen: Jesus und Buddha. Das war sehr interessant. Denn ich habe dann plötzlich gedacht: Ah ja, stimmt, ich soll mich direkt an Menschen orientieren, nicht nur an irgendwelchen Lehren. Und wenn es zwei Menschen gäbe, bei denen ich vom Gefühl her sagen würde, ja, die sind wohlwollend denen kann man vertrauen, dann wären das Jesus und Buddha. Und damit war ich dann fürs erste auch schon innerlich zufrieden. Und ich dachte, okay, mach ich jetzt eben da weiter. Dann aber habe ich plötzlich innerlich so etwas gehört wie eine klare Stimme: „Schau genauer hin!“
L: Oh …
M: Und das habe ich dann auch getan. Ich habe tatsächlich noch mal genauer hingeschaut. Und ich habe wahrgenommen, bei Buddha ganz viel Liebe und Mitgefühl und so weiter; aber auf einer winzigen, inneren Ebene hat er so etwas gehabt wie eine leichte Ablehnung der Welt gegenüber, der physischen, der materiellen Welt gegenüber, also eigentlich der Schöpfung gegenüber. Und da dachte ich dann, aha, das ist ja interessant, das habe ich so vorher nicht wahrgenommen. Dann habe ich zu Jesus geschaut, Jesus wahrgenommen … und das war dann plötzlich wirklich so, als ob man wie so eine Art „Tor“ vor sich hat, ein Tor … in alles. Ins Universum selbst, in die Liebe, in die ganze Schöpfung. Es gab keine Grenze, kein „bis hier hin und nicht weiter“, sondern wirklich nur Vollständigkeit. Und Unendlichkeit, Licht, Leuchten, Präsenz, Liebe … man kann es gar nicht wirklich beschreiben. Und dann … dann dachte ich, okay: DAS ist es jetzt also, da muss ich jetzt weitergehen. Und als dann diese Erfahrung wieder vorbei war, habe ich mich gefragt: Was mache ich jetzt? [Gelächter] Und dann kam mir der Gedanke: Ja, gut, Jesus … das hat ja was mit der Kirche zu tun. Okay, dachte ich, da muss ich jetzt eben irgendwo in die Kirche gehen. Das war dann meine logische Schlussfolgerung. [Gelächter] Ich wusste aber noch nicht genau, wo ich da ansetzen sollte. Ich bin dann ein paar Tage später einfach nochmal, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte, in ein makrobiotisches Restaurant gegangen, in dem ich vorher immer war. Und da habe ich dann lustigerweise jemanden getroffen, der Christ war. Dem habe ich das dann alles erzählt. Der war auch halb makrobiotisch, halb Christ … [Gelächter] … in Kalifornien sind viele so, leicht verspult, machen tausende von verschiedenen Sachen … [Gelächter] … aber deswegen hat’s mir da auch so gut gefallen. Und der hat gesagt: Komm doch mal mit. Und so bin ich dann in eine Kirche reingekommen. Und zwar wirklich in eine der „Hauptkirchen“ von Los Angeles, die „Bel Air Presbyterian Church“ – das war eine riesige Kirche oben auf dem Berg, voller Elan für Christus, mit „Missionare aussenden“ und so … [Gelächter]
L: Lustig.
M: Und ich konnte ja Gitarre spielen, deshalb habe ich dann dort mitgespielt, in so einer Lobpreisband. Und das war auch alles sehr schön, ich habe dort liebe Menschen kennengelernt …
L: Ja, wir haben immer noch die CDs. [Gelächter]
M: Ja. Aber auch da habe ich innerlich immer so eine gewisse Ahnung behalten, dass das noch nicht alles ist. Im Inneren ist es das auf jeden Fall – diese Verbindung zu Christus, zu Jesus, das habe ich immer behalten. Aber was die äußere Form betrifft … Ich habe immer geahnt, da gibt es noch mehr. Das ist nicht der Endpunkt der menschlichen Entwicklung, und auch nicht meiner eigenen Entwicklung. Als ich dann letztendlich nach Deutschland zurückkommen bin, habe ich erstmal versucht, da wieder anzuknüpfen, im kirchlichen Bereich … aber dann habe ich irgendwann auch da wieder gemerkt: Nein, ich muss weitergehen. Und dann bin ich tatsächlich – lustigerweise dann erst – in diese ganzen esoterischen und spirituellen Sachen reingeraten. Weil mir in diesem kirchlichen Bereich in gewissem Sinne auch Dinge gefehlt haben: diese Wahrnehmung für die spirituellen Ebenen, die auch in der Schöpfung selbst vorhanden sind, die „Energieebene“, andere Ebenen von Bewusstsein und wie das alles zusammenhängt. Ich habe geahnt, dass die Welt in Wirklichkeit viel größer ist, als sie das dort gesehen haben.
L: Ich glaube, dass das vielen Menschen so geht. Wir haben ja auch viele Leute in der Oase (Leas Onlinecommunity), die ihre Liebe zu Christus wieder neu entdecken. Gerade heute morgen hat jemand so schön geschrieben: „Ah, ich habe habe meinen Kinderglauben wieder entdeckt“, diese ganz einfache Verbindung, und dann im Nebensatz: „Aber ich bin immer noch spirituell und habe diese ganz feine Wahrnehmung, nehme diese tieferen Ebenen wahr.“ Und es ist so schade, dass es in der in der heutigen Zeit da so eine Art Graben gibt, oder Grenze. Weil ich eben auch das Gefühl habe, dass da vieles zusammengehört. Aber um bei deiner Geschichte zu bleiben, dass du dann erstmal in diese spirituelle Szene eingetaucht bist – so haben wir uns ja schließlich auch kennengelernt. Und zwar von ganz unterschiedlichen Richtungen aus. Das war bei so einer Art Channeling-Gruppe. Du hast die Übersetzungen gemacht, vom Englischen ins Deutsche, und ich habe in so einem Forum mitgeschrieben, wo die Übersetzungen dann veröffentlicht wurden. Und ich weiß noch, dass ich da auch über tausende von Umwegen hingekommen bin … ich war in irgendeinem Seminarhaus, um eine kurze Auszeit zu machen von meinem Studium, und da haben sich dann abends immer Leute getroffen, die wollten irgendein „Channeling“ anhören. Ich wusste erstmal gar nicht, was das ist. Und dann habe ich nur mitbekommen, dass die sich immer in dieses Zimmer zurückziehen … Und das Internet – das war alles noch ganz neu. Das war noch so mit „dann müsst ihr das Telefon ausstöpseln“ und so weiter .…
M: … und dann dieses Piepsen und Krackeln (vom Modem) …
L: Genau. [Gelächter] Die haben dann da gesessen, und die Tür war halb angelehnt. Und dann habe ich diese dröhnende amerikanische Stimme gehört. Und ich habe gedacht: Was ist das denn? Und eine von den Frauen hat mir dann so einen ausgedruckten Text gegeben, und ich habe reingelesen … und das Lustige ist, im Nachhinein, da kann ich mich auch heute noch genau daran erinnern, mein erster Impuls war: Das hört sich ein bisschen schrill und überdreht an, ein bisschen kreischend, als hätte es so Obertöne.
M: Das war mir ganz ganz genauso. Ja.
L: Ja. Aber was mich dann da immer wieder hingebracht hat, war dieses furchtbare Gefühl, als ich dann wieder in Frankfurt war, alleine in meiner Einzimmerwohnung: „Oh je, mein ganzes Ich fällt auseinander …“ Ich hatte bereits diese starken (spirituellen) Erfahrungen gehabt. Ich hatte überhaupt keine Orientierung mehr, und ich hatte ein riesiges Fragezeichen in mir: Was ist los auf der Erde? Was ist mein Weg? Wie geht es weiter? Was passiert hier im Moment? Und dann hatte ich tatsächlich auch ein riesiges Bedürfnis, irgendetwas zu lesen oder zu hören oder mich an irgendetwas zu orientieren, wo jemand zumindest über diese Dinge spricht. Welche Qualität das dann hatte – das ist eine andere Sache. Und ich habe das Gefühl, wenn man ganz weit zurückgeht in die Vergangenheit, dann gab es auch in der Kirche, wenn man so will, unter den Menschen, die sich an Jesus orientiert haben, immer auch Leute, die diese prophetische, begleitende, visionäre Rolle übernommen haben, die, wie diese in der Wüste umherlaufenden Propheten, gesagt haben: „Hey Leute, das passiert jetzt gerade. Das ist die Entwicklung, und wir müssen uns so und so darauf einstellen und vorbereiten.“ Aber in meiner sehr beschränkten Begegnung mit der Kirche in meiner Kindheit war es wirklich lächerlich, wie wenig ich da von solchen Dingen mitbekommen habe. Da hatte ich immer das Gefühl, das ist mehr wie so ein Beamtentum. Da kommst du rein, kriegst einen Stempel und gut ist. Es ist keine Tiefe da …
M: Oder es sind eben nur „Sozialarbeiter“, das gibt’s ja auch.
L: Ja genau diese beiden Zweige. Und dann noch das Dorf, die „Dorf-Community“. Und das will ich ja auch gar nicht alles schlechtreden, einfach auch für andere da sein und sorgen, und diese anderen guten Dinge. Aber ich hatte jedenfalls das Gefühl, da fehlt etwas. Es wird dir zwar etwas angeboten, aber irgendwie fehlt der Raum, es selbst zu erfahren und dann selbst an den Punkt zu kommen, dass man sagen kann: Ich glaube, weil es ich es selbst erlebe, weil es echt ist, weil ich es mir selber auch beweisen kann. Mein Leben beweist es mir, meine Erfahrungen beweisen mir, dass es so ist. Die einzigen gläubigen Menschen in meinem Leben waren meine Großeltern. Die hatten wirklich einen tieferen Glauben und Überzeugungen, aber leider überhaupt kein Händchen das zu vermitteln. Die einzige Auseinandersetzung zwischen ihnen und mir war, dass sie mich zwingen wollten, in die Kirche zu gehen. Und als Jugendliche hatte ich ganz einfach dieses Gefühl, wenn ihr mir nicht sagen könnt, warum ich dahingehen soll, dann gehe ich da nicht mehr hin. Und das einzige Argument, was dann kam, war: „Das macht man so, das gehört sich so, das ist richtig so.“ Und meine Reaktion war dann, nein, das geht nicht. Ich brauche einen tieferen Grund …
M: Man muss auch unterscheiden zwischen der äußeren Struktur und dem inneren Kern. Und die Kirche, die christliche Tradition, ist derart gestaltet, dass es natürlich auf der einen Seite ganz einfach immer diese äußere Form gab. Jesus hat ja beispielsweise die zwölf Apostel benannt – das wäre so eine ganz klar äußere Struktur, auch mit den Nachfolgern der Apostel, im katholischen Sinn, die Bischöfe und Priester und so weiter. Aber es gab immer auch gleichzeitig diese mystische Ebene. Die wurde von Leuten geprägt, die erstmal oft gar nicht so direkt in dieser äußeren Struktur verankert waren. Sie haben anders mitgewirkt. Viele Frauen waren z.B. auch darunter, oder eben Mystiker und so weiter. Und ich glaube, der eigentliche Sinn dieser äußeren Struktur war der, dass es eine stabile Form gab, über die dieser „Christusfunke“ den Menschen immer wieder gezeigt werden konnte.
L: Und lebendig gehalten wurde.
M: Genau. Oder bewahrt wurde, so dass es auf der Erde präsent bleibt. Dafür war das in erster Linie gedacht. Es war meinem Eindruck nach nicht dafür gedacht, so etwas wie ein komplettes gesellschaftliches oder gedankliches „System“ zu erschaffen, von dem ausgehend dann alles andere gedeutet wird. Und das war es dann auch, was mir zu eng war. Leider ist es genau das, was in der heutigen Zeit bei vielen übriggeblieben ist – nur dieses Äußere.
L: Nur die äußere Form, wie ein vertrockneter Apfel oder so …
M: In vielen Bereichen, sagen wir mal.
L: Und was sich davon abgespalten hat, leider, sind tatsächlich auch all die Leute, die angefangen haben, innerlich zu erwachen und mehr wahrzunehmen, und die dann das Gefühl hatten: „Hier kann ich jetzt damit nicht landen, meine Fragen werden mir nicht beantwortet.“ Und dann hat sich diese riesige spirituelle Szene irgendwie daraus ergossen. Das hat mal so treffend (Bischof) Fulton Sheen gesagt: Alles, was die Kirche vernachlässigt, das schwappt raus in die Welt. Und manchmal gerät es dann auch auf Irrwege, weil diese Anbindung fehlt. Naja, ich weiß gar nicht, wie wir jetzt da hingekommen sind … [Gelächter]
M: Wir waren bei dieser „Channeling“-Geschichte.
L: Ja, genau.
M: Und da würde ich z.B. auch sagen, das wird ja oft alles einfach immer nur verteufelt – aber so ist es ja auch nicht. Es ist wie bei allem: Man muss eben vorsichtig sein. Man muss schauen, was los ist. Es gibt auch da einiges, wo Menschen sich verbunden haben, Dinge wahrgenommen haben, wertvolle Erkenntnisse eingebracht haben. Und ich habe auch da viel gelernt, über alles mögliche … Und was die „alten Institutionen“ wie die Kirche betrifft: Diese waren meiner Ansicht nach ganz einfach dafür zuständig, Strukturen zu schaffen, um das Wertvolle, was darin enthalten ist zu bewahren. Aber genauso muss auch immer wieder den Impuls geben, weiterzugehen, weiter nach vorne, sonst wird es irgendwann stagnierend.
L: Ja.
M: Und jetzt müssen die Menschen in gewissem Sinne wieder wie ins „Niemandsland“ gehen. Und was diese Channelings betrifft: Natürlich gibt es da auch missbräuchliche Sachen. Da gibt’s dann bespielsweise auch oft „Wesenheiten“, die da rumhängen und sich „nähren“, von der Energie der anwesenden Menschen und so weiter. Ich glaube aber nicht, dass man so etwas sagen kann, wie: „Das sind alles immer nur Dämonen.“ Aber genaussowenig ist es einfach nur immer die „Geistige Welt“, und die sind immer alle „gut“ oder so. Es ist genauso, wie im Leben. Man hat mit Gruppen zu tun, mit Organisationen, mit irgendwelchen Menschen … Selbst der einzelne Mensch ist ja im Ganzen gesehen auch nicht nur „gut“ oder nur „schlecht“. Und deshalb fände ich es sinnvoll, wenn man genau so auch an diese Dinge herangeht. Also nicht einfach nur alles verdammen, aber auch nicht sagen, „das ist jetzt meine neue Religion“, sondern schauen, wahrnehmen …
L: … vorsichtig, ausgewogen …
M: … mit Unterscheidungsvermögen. Was ist gut? Wo muss ich aufpassen? Was ist riskant?
L: Ja. Ich glaube aber auch, man kann das nur dann auf diese Weise unterscheiden und einschätzen, wenn man bereits weiß, wo das Gute denn letztendlich ist, das Echte, das Wahre. Für mich war das ganz wichtig, sogar schon lange, bevor ich direkt etwas mit Jesus zu tun hatte. Was ich zu Anfang ehrlich gesagt bei dir auch immer ein bisschen belächelt habe. Ich dachte ja, du glaubst „noch“ an Jesus, und ich bin schon viel „weiter“ … [Gelächter] Das war auch so ein „Running Gag“ zwischen uns, ich bin schon ein bisschen „weiter“ als du, und dann zu merken, oh: Das, was ich immer belächelt habe, genau das entdecke ich jetzt auch. Und als ich dann meine große Jesus-Begegnung hatte, da habe ich ja zu dir gesagt: Meine Güte, das stimmt ja alles wirklich! Und du hast dann einfach nur gesagt: „Ja, genau.“ [Gelächter] Aber was mir geholfen hat, schon lange vorher, war tatsächlich über das sogenannte „weiche Atmen“ (eine Art von einfacher Atemmeditation) die Liebe von Gott wieder anzunehmen, zu spüren: Da ist etwas da, das ist zutiefst liebevoll. So wie du es vorhin beschrieben hast: Bei Jesus gibt’s nicht diese Grenze, es gibt da nicht diesen schwarzen Schatten oder diesen dunklen Fleck, wo man Angst haben muss, wo man nicht sicher sein kann, als Mensch, wo man sich hüten muss. Denn normalerweise, wenn man einem anderen Menschen begegnet, dann muss man ja immer vorsichtig sein; man muss immer bedenken, der andere Mensch ist begrenzt, er hat seine Verletzungen und Schatten und alle möglichen Dinge. Das ist bei Jesus nicht so. Und so habe ich das eben auch bei Gott, beim Schöpfergott, wahrgenommen. Und über dieses tägliche einfach nur diese Liebe einatmen – das hat mir eine Art Kalibrierung gegeben, wie als wenn man herausfindet, wo ist „Null“, wo ist die Basis, wo ist Gott. Und wenn ich das habe, dann kann ich vergleichen: Führt mich das, was du mir sagst, dorthin, oder führt es mich davon weg? Das was ich gerade erlebe, oder die neue Technik, die ich kennenlerne: Führt mich das dorthin oder führt es mich von da weg? Und allein dadurch hatte ich bereits irgendwo eine Orientierung, die mich weitergeführt hat.
M: Ja, und wir wurden dann letztendlich ja auch wieder weitergeführt. Wir waren nicht lange bei dieser Channeling-Gruppe, ein paar Jahre oder so, drei, vier Jahre …
L: Ja. Wir hatten Sachen für sie organisiert, Events …
M: Und da war diese Dame dabei, die das „weiche Atmen“ angeleitet hat. Und da hast du ja gleich gemerkt, ah, genau da muss ich jetzt was lernen, speziell von dieser Dame …
L: Ja, sonst wäre ich auch nie nach Amerika gereist – nur um mir ein Channeling anzuhören … [Gelächter]
M: Und sie und ihr Ehemann, die haben ja auch eigene Seminare gegeben, und da haben wir das gelernt, mit dem „weichen Atmen“. Einfach nur Dasein, dieses Erlauben, dass Dinge von selbst geschehen, auf natürliche Weise. Nicht über den Willen versuchen, irgendwas zu verändern, sondern sich wirklich reinsinken zu lassen und wahrzunehmen: Da gibt es eine tiefere Intelligenz, die ordnet Dinge von ganz alleine. Und das ist natürlich letztendlich die Intelligenz und die Liebe von Gott, die das macht, diese tiefe Quelle, die immer da ist.
L: Genau.
M: Und sie hat das verbunden mit „Quan Yin“, das war sozusagen ihr Kanal zu dieser göttlichen Liebe … was ja die Göttin des Mitgefühls ist, der „Bodhisattva“ des Mitgefühls, im chinesischen Raum. Und das hat uns geholfen, auf einer ganz einfachen Ebene, die nicht vom Kopf oder vom Verstand her gesteuert war. Es war einfach dieses Vertrauen: Dinge wollen heilen, Dinge wollen wieder ins Gleichgewicht kommen.
L: Genau. Und dann war es auch immer mehr so, dass wir gespürt haben: Es gibt eine tiefere Ordnung, die uns fast schon wie ansaugt in Richtung Heilung, und nicht nur das: Es gibt da sogar Geschenke. Es gibt Potenziale. Gott will uns nicht nur heilen. Es sollen auch neue Dinge entstehen, erschaffen werden, sich formen. Aber mit Heilung hat es anfangen. Damit, dass man anerkennt: Ich bin total im Chaos, in mir sind zu viele Anteile, die Angst haben, ausgehungert sind, vernachlässigt …
M: Und dass man aus diesem Grund auch gar nicht wirklich sinnvoll und vernünftig mit der Welt umgehen kann. Weil man ja ganz oft einfach nur aus diesem alten Schmerz heraus auf Dinge reagiert und überhaupt nicht in der Lage ist, wahrzunehmen, was eigentlich da ist, um dann angemessen damit umzugehen. Und genau das ist letztendlich, würde ich sagen, auch ein Ziel von Heilung …
L: Stimmt! Denn im Traumatischen reagieren wir immer nur aus „Fight-Flight-Freeze“ heraus, immer aus diesem Überlebenskampf. Und das Neue ist dann, dass man mehr inneren Raum hat und tatsächlich aus der Ganzheit heraus mit allem umgehen kann.
M: Und zwar sowohl mit Herausforderungen, denn die gibt es ja nach wie vor: Geldsorgen, Schmerzen, Menschen sterben, schlimme Dinge passieren usw. Aber genauso auch mit den schönen Dingen, mit den Potenzialen: Auch damit angemessen umzugehen, mit dem eigenen Wunsch, kreativ zu sein. Auch da wahrzunehmen: Wie gestaltet sich der natürliche Weg, über den das alles hereinkommen kann? Also nicht, wie irre zu arbeiten, bis in den Burnout, aber auch nicht passiv zu sein und zu denken, ach, das interessiert ja sowieso keinen. Sondern auch hier: Wie ist der angemessene Weg?
L: Ja, genau. Das muss auch alles in die Vollständigkeit kommen. Und das Schöne war dann, zu bemerken: Bei uns beiden ist da eine Art Suche, auch im Sinne von „ich will etwas machen, ich will etwas bewegen, ich will irgendwohinkommen“. Und auch: „Ich lasse mich ein auf diese Liebe, die mich führt, die mir den Weg zeigt“. Also nicht die Haltung, „ich will das jetzt unbedingt, aber alles ist gegen mich“, sondern vielmehr: „Da gibt es eine riesige Kraft hinter mir, in mir, jenseits von mir, die mich trägt, die mich hält, die mir den Weg zeigt.“ Und mir kam immer wieder dieser Gedanke: Es gibt den liebevollen Weg. Es gibt den Weg, den Gott mir zeigt. Den Weg, zu heilen, vollständig zu werden, mich zu entwickeln … Ja, es gibt Herausforderungen, es gibt aber auch Schönes. Und in den letzten Jahren war, bei mir zumindest, oft mehr die Herausforderung im Vordergrund, dass man durch die tiefsten Heilungsabgründe geführt wird, durch die tiefsten Tiefen. Manchmal habe ich das Gefühl, das ist so wie wenn man durch ein Haus geht, und dann entdeckt man, dass hinter einer doppelten Wand alles verschimmelt ist. Und dann reißt man diesen Rigips runter und merkt, meine Güte, was kommt denn da alles aus Wänden raus. Oder man entdeckt nochmal einen Riss tief unten im Fundament … Und ich denke dann oft, es geht nicht mehr tiefer, ich bin schon ganz auf dem Grund von meinem Körper angekommen. Doch dann gibt es noch mal eine tiefere Ebene, und noch mal eine tiefere …
M: Und das entspricht momentan der Zeitqualität. Man spürt bereits: Am Horizont kommt etwas Neues hoch … aber es ist noch nicht da, es ist wie die erste Morgendämmerung …
L: Morgenlicht! [Gelächter] Was aber auch dazu führt, dass alle unsere inneren Systeme schon anfangen, sich nach dorthin auszurichten, in diese Heilung zu streben. Und aus genau diesem Grund spüren wir auch all die Dinge umso stärker, die noch verhärtet sind, die sich noch in diesem alten, zusammengezogenen, traumatisierten Zustand befinden, wie in ihrer eigenen Welt, noch nicht wirklich verbunden. Durch diesen Sog wird das alles erst so richtig präsent.
M: Und das „Risiko“ dabei ist, dass man sich nur auf das Negative fokussiert und das Gefühl hat, es wird alles immer nur schlimmer, es geht bergab mit mir … und nicht nur mit mir, sondern mit der ganzen Welt. Aber das ist ja nicht so. Dass wir das alles jetzt wahrnehmen, ist nur die Folge davon, dass das Neue bereits dabei ist, in der Zukunft zu entstehen. Und das regt dann alles weitere an.
L: Und es wäre eigentlich die gesunde Reaktion, innerhalb dieses kranken Zustands, im Angesicht des Neuen, im Angesicht von Gottes Präsenz, ganz einfach zu sterben. Sich dem hinzugeben. Wie Wachs, das dann völlig schmilzt. So dass diese alten traumatischen Strukturen sich völlig auflösen können, wenn Gott auf mich leuchtet.
M: Das erinnert mich an die Stelle, wo Jesus das sagt mit dem Weizenkorn: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht (Johannes 12, 24).“
L: Stimmt. Und Jesus war ja auch als Vorbild für uns hier, als Pionier – er war derjenige, der so etwas zum ersten Mal geschehen hat lassen. Ich habe früher oft total damit gehadert, gerade mit dieser Kreuzigung. Ich fand das schlimm und furchtbar, und ich dachte immer, die Geschichte hat schlecht geendet und wir sind als Christen in einer Religion der Trauer. Alles ist schief gegangen. Unser „toller Kerl“ ist ist weg, und alles andere auch. Ich habe das alles überhaupt nicht verstanden. Erst durch diese tiefen Abgründe in meiner eigenen Traumaheilung habe ich es besser verstanden. Ich war zu Anfang immer wieder empört und habe gesagt, ich will das nicht, und was ist das, und warum, warum … Ich kenne doch bereits all die „Techniken“, ich kenne mich aus, und ich will doch einfach nur in die Freude und ins „Neue“ – und jetzt jetzt sitze ich hier … Und ich hatte dann ja auch eine Phase, wo ich kaum mehr sprechen konnte, ich konnte nicht beten, ich konnte Gott nicht mehr wahrnehmen – nichts mehr. Und dann hast du zu mir gesagt, ich soll auf das Kreuz von Jesus schauen. Und da war ich dann zum ersten Mal froh, dass wir kein „evangelisches“ Kreuz haben, also nur dieses Holzkreuz, sondern ein echtes Kruzifix, wo Jesus mit Körper wirklich zu sehen ist, wo man ihn sehen kann. Und als ich dann dorthingeschaut habe, habe ich gedacht: An so einem Punkt bin ich jetzt auch. Du verstehst mich.
M: Ja. Und an dem Kruzifix ist wirklich überhaupt nichts „Morbides“, nichts „Negatives“, was ja Leute oft denken, die das nur aus diesem „spirituellen“ Blickwinkel heraus sehen. Denn man sieht daran drei Dinge. Erstens versteht man: Ja, es gibt das Böse in der Welt. Denn das Böse ist das, was Jesus gekreuzigt hat – die Verstocktheit, die Sturheit der Menschen, die sich vom übernatürlichen Bösen haben leiten lassen, aufhetzen lassen. Zweitens versteht man: Freiwillig – er hat es freiwillig getan. Er hätte es nicht machen müssen. Er hätte auch einfach in die Berge gehen können, und da leben, bis als alter Mann, als Lehrer, wie eine Art Yogi oder so …
L: Hätte einen „Ashram“ aufbauen können …
M: Das wäre absolut möglich gewesen. Es hätte keinen interessiert. Aber er ist gezielt dorthin gegangen, zu seiner Kreuzigung. Er wusste, er muss das machen. Er hat es freiwillig gemacht. Und das dritte und wichtigste ist natürlich: Liebe. Er hat es aus Liebe gemacht, aus Liebe für die Menschen. Er hat überhaupt erst diesen Weg für uns gebahnt. Denn diesen Weg gab es vorher noch gar nicht. Es hätte keinen einzelnen Menschen gegeben, der in der Lage gewesen wäre, auf diese Art den Tod freiwillig auf sich zu nehmen, diesen Weg zu gehen, dieses Gottvertrauen zu haben, und dann hinein in die Auferstehung … Das konnte nur jemand machen, der eins mit Gott war, der Gott selbst war, in menschlicher Gestalt. Und deshalb sehe ich genau diese drei Dinge, wenn ich auf das Kruzifix schaue: Ja, es gibt das Böse, das muss man anerkennen. „Alles ist gut, alles ist Licht und Liebe, alles ist spirituell“ – das funktioniert so nicht. Und Freiwilligkeit. Er hat es freiwillig getan. Und drittens: Liebe. Er hat es aus Liebe getan, für uns Menschen, um für uns diesen Weg zu bahnen. Und nur deswegen können wir das heutzutage ja alles überhaupt auch machen. Und auch all die anderen Menschen, auch die sogenannten „New-Ager“ und „Spirituellen“: Sogar die profitieren davon, dass dieser Weg gebahnt wurde. Sie versuchen oft auf unbewusster Ebene, sich irgendwie damit zu verbinden, wissen aber noch gar nicht, wie das alles zusammenhängt, woher das alles stammt. Und ich glaube, dass alle, die unbewusst auch jetzt schon auf diesem Weg sind, irgendwann realisieren werden, was das eigentlich ist, wer das eigentlich überhaupt erst ermöglicht hat. Welche Liebe diesen Weg für uns gebahnt hat. Wem sie da eigentlich die ganze Zeit über gefolgt sind. Dass es eine bestimmte Person war. Und warum es heutzutage diesen Weg für uns überhaupt gibt. Denn vorher gab es das nicht. „Erlösung“, „Heilung“, „Erwachen“, „Aufstieg“, wie auch immer man das nennen mag: Im alten Ägypten gab es so etwas nicht, und im alten Rom auch nicht. Das war alles vollkommen undenkbar.
L: Es gab nicht diesen Durchbruch zu Gott, und auch nicht in diese neue Schöpfung.
M: Genau.
L: Und darauf wollte ich auch gerne noch mal hinaus, denn du hast ja so schön gesagt, dass wir uns jetzt in dieser Zeit befinden, in der das alte System bröckelt, in der das Neue immer deutlicher wird, und dass wir deshalb jetzt noch mehr in unsere Heilungsprozesse reingesogen werden. Für mich ist das immer das beste Beispiel: wie Wachs in der Sonne. Und in diesem Wachs unseres Körpers sozusagen, da sind diese ganzen traumatischen, sag ich mal, Verformungen eingebettet. Wir sind innerlich verformt, als Menschen, gezeichnet von Schmerz, von schrecklichen Erfahrungen. Und sobald die Präsenz von Gott näher kommt, sobald die Wärme, das Licht auf das Wachs leuchtet, fängt es an zu schmelzen. Und all die Dinge kommen hoch, und wir beginnen, in eine neue Form hineinzuwachsen. Und diese Form wird nicht von unserem Verstand kontrolliert. Man kann also nicht sagen: „Ich weiß, wer ich mal sein werde, ich will ein besserer Mensch werden, frei von Trauma …“ – aber im Grunde bleibt man immer nur diese kleine Raupe. Wenn wir uns aber wirklich einlassen auf diesen Heilungsprozess, dann merken wir: Da ist eine Liebe, die weiß wer ich wirklich bin, wie ich wirklich gedacht bin, was meine wahre Form ist. Und diese Liebe „presst“ mich dann da rein. Und manchmal hat man fast das Gefühl, man kriegt einen ganz schönen Hieb hier und da, man wird in Dinge reingeschubst, Sachen werden reinmassiert, man wird wie durchgebürstet. Und Dinge, die mit uns verwachsen waren, auch auf schmerzhafte Weise, wo man fast das Gefühl hat, das ist in mein Fleisch eingewachsen: Das alles wird rausoperiert und rausgezogen, und die Stacheln und die Dornen, die in uns stecken, werden gezogen. Das ist manchmal wirklich furchtbar, und trotzdem ist das der Prozess des Neuwerdens, des „Ein-neuer-Mensch-werdens“. Wir sollen nicht auf ewig so sein, wie die gefallene Welt uns gezeichnet hat. Wir dürfen hineinwachsen, ganz langsam und behutsam – und manchmal auch nicht ganz so behutsam –, in das Neue, in die Realität von Gott. Denn bei Gott sind wir, wer wir wirklich sind. Nur hier, in dieser gefallenen, gebrochenen und getrennten Welt, sind wir nicht, wer wir eigentlich sind, beziehungsweise wir haben den Zugang dazu verloren. Und an dieser Grenze stehen wir jetzt. Ich werde so oft gefragt: „Wie lange dauert es denn noch?“ So wie beim Autofahren: „Mama, wie lange dauert’s noch? Sind wir jetzt endlich da?“ Kannst du nochmal deine Einschätzung geben, wie lange es noch dauert? [Gelächter] Wann sind wir endlich da? Oder was dein Gefühl ist, für diese ganze Dynamik?
M: Hm. Ich glaube – und da bin ich jetzt auch nicht alleine, denn ich höre mich natürlich auch um, höre, was andere Leute sagen, die Dinge dieser Art wahrnehmen – also, was meine eigene Einschätzung betrifft, so glaube ich, dass es jetzt nicht mehr um „unendliche Zeiten“ geht, die wir noch vor uns haben. Wir sind schon jetzt mitten in einer Art von Endzeit. Ich habe das Gefühl, dass sich momentan wirklich von Jahr zu Jahr Dinge verändern. Und zwar zum Teil auch exponentiell, rapide.
L: Aha.
M: Ich persönlich würde sagen, wir haben jetzt vielleicht noch so vier, fünf Jahre vor uns, die recht herausfordernd sein können, wo man auch draußen in der Welt sehr stark spürt, dass das „alte System“ und das neue, wache Bewusstsein, was gerade entsteht, so richtig in Spannung zueinander stehen. Das neue Paradigma versucht, sich durchzuarbeiten, während das alte System immer mehr kollabiert und sich einer Art Todeskampf verstrickt, wobei es zum Teil auch immer irrsinniger wird. Ich glaube aber auch, dass wir davor keine Angst zu haben brauchen. Wir werden sicher da durchgeführt. Diejenigen, die wirklich nur das machen, was sie von Gott gezeigt bekommen, die also nicht leichtsinnig sind und irgendwelchen komischen Ideen folgen, wie „mich selbst verwirklichen“, „Party machen“ oder irgendwelche oberflächlichen Sachen, dass alle diejenigen, die innerlich ruhig bleiben, die wahrnehmen, was vor sich geht und einfach nur auf ganz grundlegender Ebene die Dinge tun, die sie tun sollen, dass die sicher und gut da durchgeführt werden. Ich glaube auch nicht, dass es jetzt einen wahnsinnigen allgemeinen Zusammenbruch geben wird, mit Hungersnot, Krieg und so weiter. Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Potenziale momentan so stark da sind …
L: Das wäre der Fall, wenn wir Gott nicht wahrnehmen, glaube ich. Wenn man Gott vollkommen ausklammert und denkt, wir sind nur in so einer Art linearen Zeitlinie, wo das alte westliche System jetzt kollabiert und untergeht … dann wird es diesen Zusammenbruch auch geben. Aber sobald wir wahrnehmen, dass etwas Neues entsteht, durch Gott, und dass das Alte im Grunde wie abgeschält wird, dass aber gleichzeitig auch alles weiter stabil gehalten wird …
M: Im besten Fall ist es ein Ablöseprozess, bei dem sich das eine mit dem anderen überschneidet.
L: Ich habe oft das Gefühl, dass im Moment an tausenden von Ecken Dinge wie in der Schwebe gehalten werden …
M: Genau. Da wird uns momentan wahnsinnig viel geholfen, auch von den „Ebenen“ der Engel her, die alles stabilisieren …
L: Ja. Aus sich selbst heraus kann das gar nicht mehr bestehen.
M: Im besten Fall ist es so, dass tatsächlich das eine abfällt, abstirbt, und das andere, das Neue, sich gleichzeitig stabilisiert. Und es wird natürlich Herausforderungen geben, denn als Menschen leben wir nach wie vor in dieser gefallenen Welt, und wir tragen dieses Gefallene auch noch in uns, all diese alten instinktiven Reaktionsmuster, aus der Angst heraus und so weiter. Aber alle diejenigen, die vertrauensvoll auf ihrem Weg bleiben, denen wird geholfen, davon bin ich überzeugt, die können sicher da durch gehen. Und was den Zeitrahmen betrifft: Ich habe das Gefühl, dass Anfang der 30er dann zum ersten Mal zu spüren sein wird: Jetzt fängt das Neue an, sichtbar zu keimen. So ähnlich wie im März, April, wenn die ersten Schneeglöckchen oder Krokusse oder später dann die Osterglocken rauskommen … Man wird dann zum ersten Mal wahrnehmen können, dass da wirklich etwas wächst. Und dann kommt tatsächlich auch erstmal so eine Art Aufbauphase. Dieses ganze Bösartige wird dann zum größten Teil von der Erde verbannt sein, glaube ich, zumindest wird es auf der äußeren Ebene nicht mehr so einen starken Einfluss haben auf die Menschen, die dem wahrhaftigen Weg folgen. Und dann können wir erst einmal viel Zeit damit zubringen, Dinge aufzubauen, schöne Dinge, gute Dinge …
L: Wir können uns entwickeln, wir können lernen …. Und wenn wir dann noch Zeit haben, denke ich jetzt aus meiner menschlichen Perspektive, können wir beginnen, dieses neue Sein kennenzulernen oder da „reinzuleben“. Denn gegenwärtig kennen wir das ja noch gar nicht, das vollentfaltete Menschsein. Wir kennen nur Bruchstücke, wir kennen nur das verzerrte, das verletzte Menschsein, und das pervertierte. Doch dann werden wir zum ersten Mal ahnen: Was hatte Gott hier eigentlich vor? Was war der eigentliche Plan?
M: Genau.
L: Oh, wie schön. Ja, das sind ja schöne Aussichten. Und in dieser Idee des Schöpferischen liegt für mich auch noch mal so ein ganz wichtiger Schlüssel. Denn die alte Welt stirbt ja gerade ab, sie geht unter und bringt nichts Neues mehr hervor. Und wenn wir jetzt in Angst sind und uns zusammenziehen und selbst auch nichts Neues mehr hervorbringen, unsere eigene kreative Kraft nicht mehr spüren, dann bringen wir uns in eine ungute Übereinstimmung mit dem, was stirbt, wir gehen mit in die Begräbnisdynamik rein. Doch wenn wir zu spüren beginnen, ah, Gott ist schöpferisch, mehr denn je in dieser Zeit, dann können wir uns da einklinken, dann werden wir aus dem anderen wie herausgehoben. Wir sind dann auf einem anderen Level. Das eine geht unter, aber gleichzeitig entsteht auch das Neue. Und wir können gespannt sein, was uns dann alles gezeigt wird, denn das ist ja auch etwas Wunderschönes.
M: Und die Seele will ja auch auf irgendeine Weise immer einen Ausdruck im Außen finden. Wenn die Seele ausschließlich mit inneren Dingen beschäftigt ist, ist es auf Dauer nicht so gut. Es muss eine Balance geben, zwischen innen und außen.
L: Genau. Und wir können auch jetzt schon in das Neue reintauchen, in dieses neue Menschsein, in das neue Sein. Hineinschnuppern in das Morgenlicht des Neuen. Das finde ich auch super-wichtig. Das ist auch etwas, das ich in meiner Morgenlicht-Coachingausbildung manchmal als Übung einbringe, dass wir am Anfang der Ausbildung schon wahrnehmen können: Irgendwann gibt es einen fertig ausgebildeten Coach, der das alles schon kann. Und diesen dann wahrzunehmen, alleine als Präsenz wahrzunehmen, das gibt bereits einen enormen Zug nach vorne. So etwas macht es viel leichter, als wenn man ständig nur diese ganzen Untergangsszenarien vor Augen hat … Und im Moment geht mir das ehrlich gesagt auch auf die Nerven. Letzten Herbst haben wir uns ja auch beide mal ein bisschen mehr mit Politik und mit gesellschaftlichen Themen beschäftigt, und das war auch sehr gut, um einen gründlichen Überblick zu bekommen. Aber ich habe auch das Gefühl: Viele Leute, die da ohne das Vertrauen in Gott oder ohne diesen größeren Blickwinkel unterwegs sind, die sind oft sehr negativ drauf. Und das ist natürlich auch verständlich, denn es ist mit Sicherheit momentan nicht leicht, im Vertrauen zu bleiben, weil wir ja tatsächlich auf ganz konkreter Ebene tagtäglich mit all diesem Bösen konfrontiert sind.
M: Spätestens seit 2020 weiß jeder, der einigermaßen klar oder wach ist, was das Böse ist, und was es eigentlich in der Welt tun will. Und dass es zum Glück zum damaligen Zeitpunkt nicht alles so umsetzen konnte, wie es sich das vorgestellt hatte …
L: Und deswegen braucht es tatsächlich immer wieder dieses innerliche Zurücktreten. Man muss immer wieder zurückkehren zu diesem tiefen inneren Vertrauen. Das muss man in sich stärken. Wir müssen uns jetzt stärken.
M: Und Gott führt uns da durch. Wir müssen es nicht selbst lösen. Wir müssen das Böse nicht selbst besiegen, denn das Böse ist schon besiegt. Wir müssen klar bleiben, unseren Platz einnehmen und uns dann weiterführen lassen.